• Melanie

Als Führungskraft alleine gelassen

Eine Führungskraft wird häufig aus einem bestehenden Team heraus befördert. Sie zeigt besonderen Einsatz, ist auffällig motiviert, im Umgang mit den Kunden besonders geschickt, trägt aktiv zum guten Arbeitsklima bei, hat einen lukrativen Auftrag an Land gezogen und/oder ist aus familiären Gründen als Nachfolger bestimmt. Es gibt viele verschiedene Motive und Anlässe, weshalb jemand zur Führungskraft befördert wird.

Der Prozess zwischen der Beförderungsanfrage und dem ersten Arbeitstag als neue Führungskraft ist von allerlei gemischten Gefühlen geprägt. Man geniesst die schmeichelnde Aufmerksamkeit, unterschreibt einen Arbeitsvertrag mit einem höheren Gehalt, füllt den Bestellschein für das neue Fahrzeug aus und wird mit den neusten technischen Geräten ausgestattet. Was für ein Gefühl! Die harte Arbeit und das überdurchschnittliche Engagement haben sich gelohnt! Gleichzeitig spürt man den wachsenden Druck, der von der neuen Funktion ausgeht. Was wird wohl alles erwartet? Wird die Arbeitsbelastung höher und geht es im Team einfach so weiter wie bisher? Was wird sich ändern? Wird man den Anforderung gerecht werden?

Erfahrungsgemäss flaut die Aufmerksamkeit des Arbeitgebers bereits in den ersten Tagen ab, an denen man die neue Funktion bekleidet, und man ist alleine. Die Glückshormone und die überschwängliche Euphorie geben dem Alltag die Hand und werden von Zweifeln abgelöst: Man ist nun Führungskraft, doch was jetzt? Wie weiss man, ob man richtig macht, was man macht? Von wem wird man begleitet? Wen kann man fragen? Und von wem wird man in dieser neuen Rolle unterstützt?

Ich würde mir wünschen, dass angehende Führungskräfte besser auf die ihnen bevorstehende Aufgabe vorbereitet und anschliessend darin begleitet werden. Denn was oft vergessen wird, ist, dass sich die Leistungen der Person mit der neuen Rolle verändern können. Sie hat sich in ihrem Umfeld sicher und wohl gefühlt und verfügte über ein gewisses Standing – mit ein Grund für ihren bisherigen Erfolg. Als Führungskraft muss sie sich auf einmal in einer neuen Umgebung mit neuen Anforderungen zurechtfinden.

Hierzu sagen mir Unternehmensverantwortliche oft, sie hätten dafür weder die monetären noch die zeitlichen Ressourcen. Was allerdings nicht ins Kalkül einfliesst, ist der langfristige Mehraufwand: Wird die Führungskraft nicht unterstützt, kann dies ungewollte Folgen für den Umsatz, die Kundenbindung, das Team, die Arbeitgeberattraktivität und das gesamte Umfeld haben.

Wie haben Sie Ihre Beförderung erlebt? Was ist Ihre Meinung zu diesem einschneidenden Moment? Schreiben Sie mir an info@melanie-widmer.ch.

Herzlichen Dank

Ihre Melanie Widmer